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Geschichte der Geowissenschaften

Walther, 1908: Der Mond - Ringgebirge und Schuttebenen

Historische Arbeiten
W.Griem, 2019

Walther, 1908
Der Mond

La luna foto de Carl Pulfrich en Walther, 1908

Pulfrisch, Walther, 1908: Der Mond

Abbildung 12: Die Ringgebirge und Schuttebenen des Mondes (1908); p. 41, Original-Dimensionen: 9 cm X 11cm.
Abbildung Original von: Carl Pulfrich

Carl Pulfrich (*1858 - +1927): Deutscher Physiker - speziell in Optik, er entwickelte die Stereophotographie, forschte über die Refraktion, über das Verhalten von Licht in isotropen und anisotropen Medien. Nach ihm wurde der Pulfrich-Effekt benannt.

Walther, 1908 veröffentlichte eine Fotographie es Mondes von Pulfrich.

Original-Text von Walther, 1908; p 43 ff
Entstehung des Mondes:



Die Bildung des Mondes und die Meteoriten

In der Geschichte der Erde ist die Abtrennung ihres Satelliten ein einzigartiger und höchst bedeutsamer Vorgang. Hat doch damals, und nur in diesem einzigen Falle, die Erde Substanz verloren. Die Masse des Mondes ist ein Fünfzigstel derjenigen der Erde, seine Dichte beträgt 3.6, er ist also leichter als die Gesamterde, aber wesentlich schwerer als die Erdrinde.

Daraus schließen wir, daß unser Planet zur Zeit der Mond-bildung schon nach Dichtezonen geschichtet war; aber diese Schichtung war noch nicht so weit gediehen wie gegenwärtig, denn sonst würde das spez. Gewicht des Mondes, der doch unzweifelhaft aus einem äquatorialen Ringe der Erdoberfläche entstand, nur 2,5 schwer sein. In einem Abstand von 385.000 km umkreist der Mond in 27 1/3 Tagen seine Mutter und rotiert in nahezu derselben Zeit um seine Achse; daher wendet er uns immer dieselbe Seite zu; sein Tag beträgt also 14 Erdentage, dann folgt eine ebenso lange Nacht.

Da der Mond ohne eine merkbare Atmosphäre, ungeschützt im kalten Weltenraum schwebt, muß am Abend eine sehr intensive Abkühlung seiner durch die Sonne stark erhitzten Oberfläche eintreten. Die Vorgänge der physikalischen Verwitterung, die Zerklüftung aller Erhabenheiten, die Zerbröckelung polychromer zusammengesetzter Gesteine muß dort ebenso stark sein, wie in den trockensten Wüsten. Durch die jeden vierten Tag ein tretende Sonnenfinsternis wird diese Wirkung noch gesteigert.

Mit der Atmosphäre fehlen dem Mond alle Erscheinungen der Luftströmungen, Winde, Sandschliffe, äolische Abtragung, ebenso fehlt das Wasser und damit fällt die wichtigste irdische Kraft der Talbildung dort weg. Allerdings ist die Schwerkraft auf dem Monde sechseinhalbmal geringer wie auf der Erde, daher werden sich die durch die Insolation erzeugten Schuttmassen nur ganz langsam nach den Niederungen bewegen, und die Möglichkeit viel höherer und steilerer Gebirgsabhänge ist dadurch gegeben.

Besonders auffallend ist es, daß der Schwerpunkt des Mondes 59 km jenseits seines Mittelpunktes liegt; mit anderen Worten: der Mond trägt auf der uns zugewandten Seite eine verdickte Kappe. Schon das bloße Auge erkennt auf dem Monde helle und dunkle Flächen. Aus dem Winkel*, unter dem polarisiertes Licht von den helleren Teilen zurückgeworfen wird, hat man geschlossen, daß diese die Beschaffenheit eines erstarrten Glasflusses haben.

Die grauen Flächen, die man irrtümlicherweise als „Meere“ bezeichnet, sind dagegen höchstwahrscheinlich ungeheuere Trümmerfelder, in welche die Felsmassen der Mondrinde unter dem Einfluß der Wärmeunterschiede zerfielen, und deren zerklüftete raue Masse daher das Sonnenlicht anders reflektiert. Mit Hilfe des Fernrohres kann man auf dem Monde alle Oberflächenformen erkennen, die größer als 30 m sind; seine Gestalt ist daher verhältnismäßig besser bekannt als das Relief einer gleich großen Fläche der Erde. Man kann besonders folgende Formen unterscheiden:

1. Die Gebirgsketten, langgestreckte, meist flache Bergzüge, welche oft nur 100 m hoch, aber bis 300 km lang in unregelmäßigen Wellenlinien dahinziehen. Man gewinnt aus ihrer Anordnung den Eindruck, daß sie flache Schuttwälle sind, die aus der Zerstörung höherer, zufällig zusammenliegender Berge hervorgingen.

2. Die Rillen; flache Gräben von 1—2 km Breite, die sich als geradlinige, gelegentlich in scharfem Winkel abgelenkte Streifen bis 500 km weit verfolgen lassen.

[hier weiter - 3]


p. 47ff
Entstehung des Mondes:

Die Untersuchungen von G. H. Darwin* haben eine Anzahl höchst wichtiger Tatsachen über die Entstehungsgeschichte des Mondes und die Zustände der Erde zur Zeit der Mondbildung ergeben: Bekanntlich erzeugt der Mond auf den flüssigen Teilen der Erde einen Flutberg, und dieser reibt sich auf der unter ihm rotierenden Erde. Nach dem Gesetz von der Erhaltung der Kraft muß hierbei eine Arbeitsleistung vollbracht werden, welche die Umdrehung der Erde verlangsamt, d. h. den Tag verlängert. Der Betrag dieser Verzögerung ist gegenwärtig sehr gering. Eine vor 3000 Jahren beobachtete Sonnenfinsternis läßt sich mit einer kleinen Fehlergrenze auf Grund der jetzigen Verhältnisse zurückberechnen. Aber eine geringe Abweichung bleibt bestehen, die sich mit einer Verlängerung des Tages leicht erklären läßt.

Darwin hat nun wahrscheinlich gemacht, daß die Gezeitenreibung in der Vergangenheit unverhältnismäßig größer war. Als der Mond um die Hälfte der Erde näher stand, war die Gezeitenreibung 64 mal größer. Solange er um ein Viertel des jetzigen Abstandes von der Erde entfernt war, mußte sie 4096 mal so stark wie jetzt sein. Indem wir rückwärts in die Vergangenheit schauen, kommen wir endlich zu einem Anfangszustande, bei welchem der Mond noch fast einen Teil der Erdoberfläche bildete.

Die Erde drehte sich in vier Stunden um ihre Achse, statt der jetzigen Tageslänge von 24 Stunden, und diese riesige Rotationsgeschwindigkeit war hinreichend, um Teile der Erdoberfläche abzureißen.
Es übersteigt die Macht der mathematischen Berechnung, die Einzelheiten dieser Zerreißung zu verfolgen.“

Darwin vermutet, daß eine auf der noch flüssigen Erde erzeugte Sonnenflut die Ursache der Lostrennung äquatorialer Massen gegeben habe. Aber es ist wahrscheinlich, daß sich eine größere Anzahl von Stücken vom Äquator abtrennten, die sich erst später zu dem jetzigen Monde vereinigten. „Das System muß eine Periode allgemeiner Verworrenheit durchschritten haben, ehe mit der Bildung eines einzigen Satelliten wieder Ordnung hergestellt wurde.“ Die Mondmasse bewegte sich anfangs in der Ebene des Erdäquators, in naher Entfernung an der Erde hin, und wir müssen annehmen, daß der Mond etwas langsamer umlief, als sich die Erde drehte.

Die dadurch veranlaßte Gezeitenreibung verminderte die Umdrehungszeit der Erde erst rasch, dann immer langsamer, der Mond aber wurde gleichzeitig gezwungen, von der Erde schraubenförmig zurückzuweichen und eine immer größere Bahn zurückzulegen. Es verlängerte sich der vierstündige Tag und der anfangs vierstündige Monat immer mehr und mehr. Doch der Monat nimmt viel schneller zu, bis er ungefähr 29 Tage erreicht hat. Darwin zeigt, daß dieser Zustand ein Wendepunkt in der Geschichte der Erde sein mußte; denn jetzt nimmt der Monat langsamer zu, während sich die Zahl der Umdrehungen der Erde rascher vermehrt; der Mond gewinnt einen Vorsprung vor der Erde, und die Zahl der Tage im Monat nimmt verhältnismäßig ab.

Unser gegenwärtiger Monat von 27 1/3 Tag entspricht vielleicht schon dieser zweiten Phase in der Geschichte von Erde und Mond, und das Endresultat dieser Gezeitenreibung wird sein, daß Mond und Erde sich umeinander drehen, als ob sie einen einzigen Körper bildeten; der Tag wird 55 Tage lang sein, und die Länge des Monats wird denselben Betrag erreichen —.

Während so der Mond auf der Erde wesentliche Veränderungen von Tag- und Nachtlänge hervorrief, bewirkte umgekehrt auch die Erde auf dem Monde entsprechende Veränderungen. Solange die Mondmasse noch glühend heiß war, mußten enorme Flutberge in der flüssigen Gesteinsmasse erzeugt werden. Da der Mond sich schneller um seine Achse drehte, war die Gezeitenreibung sehr groß.

Der Mond drehte sich langsamer und langsamer, bis seine glutflüssige Oberfläche erstarrte, und die von der Erde auf dem Monde hervorgerufene Flut erstarrte ebenfalls, so daß der Äquator des Mondes nicht ganz kreisförmig, und die längere Achse gegen die Erde gerichtet ist.“

Verfolgen wir nun die weiteren Schicksale der Stücke, welche sich zu Beginn der Mondbildung von der Erdoberfläche abtrennten und wahrscheinlich als ein Ring großer und kleiner Massen die Erde umkreisten.

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Walther, J. (1908): Geschichte der Erde und des Lebens. - 560 Seiten, 353 Abbildungen; Verlag von Veit & Comp, Leipzig.
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