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Die Eisenbahn in der Region Atacama, Chile

P. Treutler: Eisenbahnfahrt 1852: Caldera - Copiapó

Eisenbahnen in Atacama
W. Griem; 2003 - 2016

Paul Treutler

Tren en la estación de Copiapo
De: Paul Treutler, 15 Jahre in Südamerika

- 1 -
#1) Die Summe von 2.000.000,- Pesos für den gesamten Eisenbahnbau der Strecke Caldera - Copiapó muss wirklich als sehr günstig betrachtet werden. Durch Vergleich von Gehältern würde dies heute etwa einer Summe von 8 Millionen Dollar entsprechen

#2)
Spielbank eröffnet wurde ...

#3)
Auch noch heute kann man sehr schön die stetige tektonische Hebungstendenz erkennen: Fossilisierte Muschelschalen, Haifischzähne und Walfischknochen liegen in Strandterrassen bis an die 100 m Höhe.

#4)
Treutler beschreibt hier das Phänomen der blühenden Wüste, welches nach stärkeren Regenfällen im Winter noch heute die Atacama Wüste ergrünen lässt. Die Jahre zwischen 1850 bis 1855 waren auch sehr regenreich (Klima)
Die blühende Wüste

#5)
Philippi schreibt in seinem  1880 erschienenem Buch: "Das zweite Viertel des Weges ist der Boden tonig und mit weißen Salzeffloreszenzen bedeckt. Die Vegetation war demzufolge ganz verschieden." Treutler kannte offenbar Philippis Publikation. (Siehe Philippi)

#6)
50 1/2 englische Meilen = 81,2 km (1 englische Meile = 1609m)
1 deutsche Meile, 12 deutsche Meilen = 81,2 km (möglicherweise meinte Treutler die sächsische (Landvermesser) Meile mit 6797 Metern.

Vergleiche die Eisenbahnfahrt von BURMEISTER um 1859/60 von Copiapó nach Caldera (HIER


 Literatur: Eisenbahnen in Atacama

español / deutsch

Um 1852 beschreibt Paul Treutler eine Fahrt mit dem Zug von Caldera nach Copiapó. Die Strecke war gerade eingeweiht und die Strecke zwischen Caldera und Copiapó dem Verkehr übergeben worden. Er beschreibt die Streckenführung durch die Wüste bis zum Erreichen des Copiapó - Tales und weiter nach Copiapó. Seine Beschreibungen sind oftmals mit mehr oder weniger Phantasievollen "Randgeschichten" aufgefüllt.
Original Text:

"Nachdem ich mein unterbrochenes Bad beendigt und nach dem Gasthofe zurückgekehrt war, dann ebenso schlecht diniert wie gefrühstückt hatte, ertönte endlich der schrille Pfiff der Locomotive, die uns zur Abfahrt nach Copiapó aufforderte. Alles watete keuchend durch den tiefen Sand und stürzte sich in die Wagen.  Diese waren 40 Fuß (=12,40 m) lang und so eingerichtet, dass in der Mitte ein Gang hindurch führte, an dessen beiden Enden sich die Thüren befanden; zu beiden Seiten des Ganges waren Sitze angebracht, so dass man nicht allein im Wagen sich bewegen und die Plätze wechseln, sondern auch während der Fahrt in die anderen Wagen gelangen konnte. Die Bahn war durch ein Dekret vom 9 November 1848 privilegiert und von Herrn Wilhelm Wheelwright erbaut worden, der sich um Chile, wie um die ganze Westküste Südamerikas  sehr verdient gemacht hat. Da fast keine Terrainschwierigkeiten vorhanden waren, wurde die ganze Bahn für den geringen Preis von 2.000.000,- Pesos (#1)  hergestellt. Die Strecke ist 50 1/2 englische( = 81,2 km #5) = 12 deutsche  Meilen lang und steigt 1213  Fuß (= 376m) an.

Da sich in der letzten Zeit der Bergbau  in dieser Provinz  so sehr gehoben und so große Quantitäten edeler Erze ausgebeutet wurden und zu dieser Zeit keine Schmelzetablissements da existierten wurden alle Erze mit dieser Bahn nach Caldera gebracht, von wo sie hauptsächlich nach England verladen wurden.

Wenn nun durch diese Frachten schon sehr bedeutende Einnahmen erzielt wurden, verdoppelten sich diese durch die Frachten aller Art Lebensmittel, Minenmaterial usw., welche von Valparaíso kamen, da Copiapó inmitten der Wüste lag und daher weder Ackerbau noch Viehzucht getrieben werden konnte. Binnen kurzen war die Bahn eine der rentabelsten.

Kaum war der Zug in Bewegung, als ich bemerkte, dass viele Personen sich nach dem hintersten Waggon begaben, und bald entdeckte ich zu meiner nicht geringen Verwunderung, dass selbst hier Bank gelegt ( und eifrig gespielt wurde.

Die ersten Meilen dieser Fahrt, wo die Steigung ziemlich stark war, sah man nur eine mehrere Fuss mächtige Schicht von Muscheln, ein Beweis, dass auch hier die Küste sich gehoben und früher das Meer diese Gegend bedeckt hatte (#3). Ringsum bot sich dem Auge nichts als ein Sandmeer dar, in welchem kein Baum, kein Strauch zu sehen war. Am Horizont erhoben sich graue Hügel, und erst bei 9 1/3  englische Meilen (=15 km) von Caldera entfernten ersten Station Punta de Piedra, sah man dass trotz des brennenden Sandes Blumen während des Winters geblüht haben mussten, welche aber jetzt von den Sonnenstrahlen versenkt und verdorrt waren (#4). Der Boden wurde von hier aus thonartiger und war zum grossen Theil mit weißen Salzflorescenzen bedeckt, und später zeigten sich Spuren von größerer Vegetation. [siehe 5]

Kurz vor Copiapó sah man zu beiden Seiten angebaute Felder, herrliche Obst- und Blumengärten und inmitten derselben freundliche Häuser. - Wir hatten diese 50 1/2 englische Meilen (= 81,2km) in drei Stunden zurückgelegt.
Auf dem Bahnhof erwarteten uns Menschen verschiedener Farbe und elegante zweispännige Droschken, bedeutend besser wie in Valparaíso, sowie viele Karren mit und unser Gepäck zu transportieren. Meiner vielen Koffer wegen musste ich hier längere Zeit verweilen und bemerkte ich zu meinem größten Erstaunen, dass unter den Eisenbahnwagen, welche nun in den Schuppen untergebracht wurden, sich auch der, worin die Bank gelegt worden war, befand und das Spiel darin ruhig seinen Fortgang nahm. Wahrlich ein Beweis großer Spielwuth!"

linea 300

 

Der Originaltext wurde nach ASCII umgewandelt, editiert, gekürzt  und teilweise der aktuellen Rechtschreibung angepasst - physikalische Einheiten wurden umgeformt von  Dr. Wolfgang Griem

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Literatur:
TREUTLER, PAUL (1882): Fünfzehn Jahre in Südamerika an de Ufern des Stillen Ozeans. - 3 Bd., Seite 91/92; Weltpostverlag, Leipzig. (Sammlung W. Griem)

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Eisenbahnen der Atacama Wüste, Chile
© Dr. Wolfgang Griem, Copiapó - Atacama Region, Chile
Veröffentlicht: 3.2.1999, Aktualisierung: 25.12.2015
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