Geologie virtuell
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Geschichte der Geowissenschaften

Carl Friedrich Naumann: Geologie und Geognosie

Historische Arbeiten
W.Griem, 2016, 2019

Naumann, 1850
Geologie und Geognosie

Volcanes en Sud-américa de Neumayr, 1897

Neumayr, 1897: Verteilung der Vulkane auf der Erde

 

Ausschnitt aus dem Buch Geognosie von Carl Friedrich Naumann (1850):

Naumann, Carl Friedrich ( 1850): Lehrbuch der Geognosie. - Band 1; 1000 Seiten, 306 Abbildungen, Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig
Naumann, Carl Friedrich ( 1850): Lehrbuch der Geognosie. - Band 2; 1222 Seiten, Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig. - Sammlung W. Griem

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Interessant dass Naumann den Begriff GEOLOGIE bevorzugt, das Wort GEOGNOSIE  war in der Zeit etwas mehr gebräuchlich.

 

Libro de Naumann, 1850 - Geognosie

Geognosie, 1850: Buch von Naumann

Carl Friedrich Naumann (1850) Geognosie:

Text Diskussion der Begriffe Geologie y Geognosie:
Das Konzept der Geologie:

Originaltext in Deutsch, Naumann (1850):
p. 1-3

§. 1. Begriff der Geologie.

Die Geognosie bildet in theoretischer Hinsicht einen der interessantesten, in praktischer Hinsicht aber unstreitig den allerwichtigsten Teil derjenigen allgemeineren Wissenschaft, welcher eigentlich der Name Geologie gebührt, den wir hiermit für sie in Anspruch nehmen. Zwar pflegt man jetzt ziemlich allgemein unter dem Worte -Geologie die Theorie der Erdbildung oder die Entwicklungsgeschichte der Erde zu verstehen, und solches dem Worte Geognosie zu koordinieren. Weil jedoch diese Entwicklungsgeschichte weit richtiger und bestimmter durch das Wort Geogenie bezeichnet wird, während das Wort Geologie doch eigentlich die Wissenschaft von der Erde in ihrem allgemeinsten Umfange bezeichnet, so erscheint es sowohl logisch als etymologisch richtiger, den Begriff Geologie an die Spitze zu stellen, und seiner Sphäre die Begriffe Geognosie und Geogenie unterzuordnen *1). Die Geognosie ist daher ein Teil der Geologie.

Um nun aber den Begriff und das Wesen der Geognosie richtig erfassen, um die Stellung und Bedeutung derselben gehörig würdigen zu können, dazu werden wir am sichersten gelangen, wenn wir zuvörderst den Begriff und die Einteilung der Geologie überhaupt festzustellen versuchen.

Geologie ist die Wissenschaft von der Natur unseres Planeten und seiner verschiedenen Glieder, mit Ausschluss der auf ihm lebenden organischen Welt. Also nur der anorganische Erdkörper, d. h. unser Planet in seiner wesentlichen Zusammensetzung aus anorganischen oder leblosen Körpern (zu weichen auch alle, der anorganischen Natur verfallenen organischen Überreste gehören), bildet den eigentlichen Gegenstand der Geologie.

Das Pflanzenreich und das Tierreich, oder die jetzt lebende organische Welt überhaupt ist ja kein notwendiges Glied unseres Planeten; wie es denn gar keinem Zweifel unterliegt, dass derselbe einstmals ohne organische Wesen bestanden hat, und dass die Bedingungen zur Entstehung und Fortdauer von Pflanzen und Tieren keineswegs von jeher auf seiner Oberfläche gegeben waren. Die Geologie abstrahiert also von allem Lebendigen, von Allem, was die Natur gegenwärtig schafft und zerstört, was sie bildet und umbildet im Tier- und Pflanzenreiche. Sie betrachtet den toten Erdball, entblößt vom schmückenden Kleide der Vegetation, beraubt seiner muntern Bevölkerung aus der Tierwelt; ihr gilt die Erdoberfläche eine wüste ausgestorbene Einöde, und ihre Aufgabe beschränkt sich wesentlich darauf, die Natur dieser großen, unbelebten und unbeseelten Kugel zu erforschen, um welche der ewig blühende Kranz der Vegetation, um welche die so bewegliche Kette von belebten und beseelten Wesen gewunden ist*2).

Der Umstand, dass wir bei geologischen Forschungen eine Menge organischer Überreste zu berücksichtigen haben, kann wohl nicht als ein Einwurf geltend gemacht werden. Denn diese Tier- und Pflanzenreste haben dabei doch nur dieselbe Bedeutung, welche wir auch den anorganischen Einzelwesen, den Mineralien und Atmosphärilien zugestehen müssen; das heißt, die Geologie betrachtet sie durchaus nicht als ihren Gegenstand, setzt aber die Kenntnis derselben voraus, und bedient sich ihrer als Merkmale für die Unterscheidung und Bestimmung gewisser Glieder in der Zusammensetzung der Erdkruste.

So belehrt uns die Geologie z. B., dass eines dieser Glieder, der Granit, aus den Mineralien Feldspat, Quarz und Glimmer zusammengesetzt ist; sie benutzt also die Begriffe der drei genannten Mineralspezies als Merkmale zur Charakterisierung des Gesteines Granit; allein sie macht sich keineswegs anheischig, uns diese Mineralspecies selbst kennen zu lehren, was ja die Aufgabe der Mineralogie ist.

Ganz auf ähnliche Weise sagt uns die Geologie, dass z. B. die Formation des Muschelkalkes durch die Überreste gewisser Conchylienspecies charakterisiert sei, und sie benutzt daher die Begriffe dieser Spezies als Merkmale zur Bestimmung jener Formation; allein die Bestimmung und Beschreibung dieser Conchylienspezies selbst überlässt sie entweder der Zoologie, oder der Paläontologie, als demjenigen Teile der speziellen Naturgeschichte, welcher nur die fossilen Thier- und Pflanzen-Spezies zum Gegenstände hat. — Auch sind es ja nicht die lebenden Pflanzen und Tiere, sondern nur die abgestorbenen, der anorganischen Natur anheimgefallenen und gleichsam mineralisierten Überreste derselben, welche eine Bedeutung für die Geologie haben, während die lebenden Organismen als solche in die Gebiete ganz anderer Wissenschaften zu verweisen sind.

Die Paläontologie oder Petrefakten-Kunde ist daher, gerade so wie die Mineralogie, als eine notwendige Hilfswissenschaft der Geologie zu betrachten; allein es folgt daraus keines Weges eine Widerlegung der Behauptung, dass die Geologie nur den anorganischen Erdball, d. fr. den Erdball mit Ausschluss der ihn gegenwärtig belebenden Tier- und Pflanzenwelt zu ihrem eigentlichen Gegenstände habe *3).
[Text weiter hier]

*1) Wie solches auch von Omalius d' Halloy sowohl in seinen Elemente de Geologie, als auch in seinem Precis elemenlaire de Geologie geschehen ist. Übrigens verstehen wir hier unter Geogenie nicht jene transzendenten Spekulationen über den Uranfang der Dinge, mit denen sich wohl bisweilen Naturforscher und Philosophen beschäftigt habensondern eine, auf die Basis geognostischer Tatsachen gegründete Entwicklungsgeschichte der Erde, etwa in der Art, wie solche für die Natur überhaupt von Bronn entworfen worden ist; Geschichte der Natur von Dr. II. G. Bronn, 1841.

° 2) Ganz anders verhält es sich mit der Geographie, als der Physiographie der Erd Oberfläche. Diese entlehnt zwar einen Teil ihrer Betrachtungen aus der Geologie, hat aber außerdem vielfach auf die jetzt lebende Tier- und Pflanzenwelt, und ganz besonders auf den Menschen und dessen Werke Rücksicht zu nehmen. Denn die Physiognomie der Oberfläche unsers Planeten wird durch die vorwaltende Bedeckung mit diesen oder jenen Pflanzen, durch die Belebung mit diesen oder jenen Tierspezies und Menschenrassen auf sehr verschiedene Weise charakterisiert, auch durch die Werke des Menschen so wesentlich umgestaltet, dass die Vegetation, die Animalisation und der Mensch, mit allen Resultaten seiner Kultur und Industrie, in den Bereich der geographischen Forschungen und Darstellungen gezogen werden müssen. Die sogenannte physisch e Geographie, ist eigentlich ein Aggregat sehr verschiedener Lehren , welche größtenteils verschiedenen Abschnitten der Geologie, zum Teil auch der Geographie, der allgemeinen Botanik und Zoologie entnommen werden , während die mathematische Geographie gänzlich in den Bereich der allgemeinen Geologie zu verweisen ist.

° 3) Die Ansicht gewisser Naturphilosophen, dass der Planet selbst ein belebter, ja wohl gar ein beseelter Körper sei, ist das Ergebnis einer unnatürlichen Parallelisierung höchst verschiedenartiger Erscheinungen. Will man j e d e Kraft-Äußerung der Natur als eine Lebens-Offenbarung betrachten, so ist man wenigstens genötigt, zwei Abstufungen des Lebens zu unterscheiden, deren eine auch wir mit dem Namen Leben bezeichnen, während wir die andere nur als die Äußerung anorganischer Naturkräfte zu erkennen vermögen. Es scheint aber ein willkürliches und nutzloses Spiel zu sein, welches mit dem Worte Leben getrieben wird, wenn man dasselbe in einer so erweiterten Bedeutung einführt; ein Spiel, durch welches wenigstens die Geologie nicht gefordert, wobt aber auf solche Abwege verleitet werden kann, dass man es zuletzt mehr mit einem Abschnitte der Mythologie, als mit einem Zweige der Naturwissenschaft zu tun zu haben glaubt. Man vergleiche z. B. die bisweilen recht poetischen Darstellungen welche Keferstein, Hugiu.A. gegeben haben.

 



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Definition Geologie als Wissenschaft:
Geologie und Geognosie (Reichetzer, 1821)
Wissenschaften Geognosie (Leonhard, 1835)
Geologie v/s Geognosie (Naumann, 1850)
Aufgaben der Geologie (Naumann, 1850)
Definition Geologie (Credner, 1891)
Das Wesen der Geologie. (Neumayr, 1897)
Geschichte der Geologie (Neumayr 1897)


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